«Warum müssen wir ständig recht haben?»

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Streit lohnt sich niemals. Es gibt nie einen Sieger. Zwar kann man ein Wortgefecht gewinnen oder seine eigene Meinung durchsetzen, doch das ist kein wirklicher Sieg. Und was oft zurück bleibt sind Frust, Ärger, Trauer, Hass und ähnliche Emotionen, von denen keine förderlich ist – sondern die uns tatsächlich über kurz oder lang krank machen können.

Sogar ein kleiner Streit bringt unser natürliches System durcheinander. Ich persönlich komme immer mehr zur Erkenntnis, dass nicht einmal hitzige Diskussionen einen Nutzen haben. Denn Tatsache ist, wenn zwei verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, haben immer beide recht – jeder aus seiner Sicht. Doch da wir den anderen oft von unserer Sicht überzeugen wollen, kommt es zum Streit. Aber weshalb ist uns das so wichtig?

Bestätigung für das eigene Denken und Handeln
Eigentlich wollen wir einfach jemanden, der die Sache genauso sieht wie wir selbst. Dadurch erfahren wir Bestätigung und es hilft uns, weiterhin an unsere Sicht und an unsere Überzeugungen zu glauben. Eine andere, womöglich sogar total gegenteilige Meinung stellt schon fast eine Bedrohung für uns dar. Unsere Grundüberzeugungen oder sogar unser Weltbild werden infrage gestellt. So passiert es oft, dass wir sehr schnell in eine Verteidigungshaltung gelangen.

Doch wir müssen uns nicht rechtfertigen. Der klügere Weg ist es, niemanden von der eigenen Sicht überzeugen zu wollen. Einfacher gesagt als getan, ich weiß. Aber probiert es mal aus. Als kleines Experiment. Bevor euch ein Wortgefecht so richtig aufwühlt und ihr nach Gegenargumenten sucht, sagt einfach mal: „Danke für deine Meinung.“ Ich mach das selber oft so. Wenn ich danach eine Emotion in mir spüre, die mich traurig, wütend oder sonst was macht, überlege ich mir zu Hause in aller Ruhe, warum das so ist.

Hat der andere vielleicht Recht? Denn solche Emotionen zeigen mir: Pascal, da ist etwas, was du nicht anschauen möchtest! Das ist ganz menschlich und schlussendlich eine Chance, um vielleicht zu einer neuen Erkenntnis zu gelangen. Möglicherweise berührt mich aber die andere Meinung überhaupt nicht. Dann ist es ein Zeichen dafür, dass es nicht MEIN Thema ist, sondern SEINS.

Das Leben ist da, um Erfahrungen zu machen
Ich will euch nicht sagen, dass ihr jeder Meinungsverschiedenheit aus dem Weg gehen müsst. Manchmal schlittert man mitten in einen Streit hinein. Aber dann verharrt nicht in den Emotionen, bleibt nicht wütend oder frustriert, sondern reflektiert.

Nehmt den Streit als Erfahrung. Und seid nicht zu stolz, zumindest vor euch selbst zuzugeben, wenn euer Verhalten falsch war. Ich habe mehr von falschen Erfahrungen gelernt als von den richtigen. Es ist gar nicht so lange her, da wollte ich allen Skeptikern beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich bin voll eingestiegen, wollte mich rechtfertigen, suchte nach Beweisen.

Mein Geistführer hat mich nicht gerade zimperlich gestoppt und mir erklärt: „So entstehen Kriege. Würde jeder dem anderen seinen Glauben lassen, hätten wir Frieden! Hör auf zu beweisen! Lebe einfach deine Wahrheit! Sei für jene da, die offen sind, und kämpfe nicht um die anderen. Störe sie nicht in ihrem Glauben.“

Lass jedem seine Wahrheit
Mir wurde bewusst: Würde jeder den Glauben des anderen akzeptieren, dann wäre die Welt ein Paradies. Christen, Moslems, Juden, Mormonen, Hindus, Wissenschaftler, Kritiker, Spirituelle – alle sind guten Glaubens. Wenn niemand mehr die Wahrheit des anderen anficht, hätte wir Frieden, und viel Streit würde in konstruktiven Gesprächen enden.

Ich teile meine Meinung nicht nur offen, sondern auch öffentlich mit. Aber sie ist meine eigene Wahrheit. Sie verändert sich mit jedem Tag, an dem ich lebe. Meine Wahrheit erfüllt mich, und vielleicht auch dich. Wenn nicht, ist das kein Problem für mich. Mach es nicht zum Problem, geh‘ deinen Weg und lebe deine eigene Wahrheit!

Kleiner Schritt und große Wirkung
Jeder kleine Streit gibt uns die Möglichkeit, bewusst damit umzugehen. Lasst den Menschen die eigene Meinung. Akzeptiert sie auch wirklich. Jeder hat aus seiner Sicht der Dinge recht. Bleibt offen dafür, euch und eure Überzeugungen im Nachhinein zu reflektieren. Wir machen alle unsere Erfahrungen. Dazu sind wir ja auf dieser Welt.

Macht’s gut, liebe Freunde!

Euer Pascal

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